TRIER „Das ist mein Name!“ sagt Arifa lächelnd. Schon zwei Wochen nach dem Start des Integrationskurses für Frauen mit Alphabetisierung muss sie keine drei Kreuze mehr in der Anwesenheitsliste machen. Sie kann ihren Namen schreiben, und den ihres dreijährigen Sohnes Madib, der jeden Tag mit ihr zusammen in die „Schule für Mama“ geht.

Dank der Integrationskurse, die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) finanziert, können in ganz Deutschland zahlreiche Neuzugewanderte die deutsche Sprache lernen. Benachteiligt sind dabei aber immer noch diejenigen, die Kinder haben; insbesondere Frauen. „Während insgesamt 44 Prozent der geflüchteten Männer über sehr gute bis gute deutsche Sprachkenntnisse verfügen, gilt dies [nur] für 26 Prozent der geflüchteten Frauen.“ (Quelle: IAB-Kurzbericht 03|2019)

Zudem übernehmen neuzugewanderte Frauen häufiger als ihre Männer die Erziehungsarbeit mit den Kindern und auch die Haushaltsführung. Aufgrund der Öffnungszeiten der Bildungseinrichtungen ihrer Kinder und/ oder einer fehlenden Kinderbetreuungsmöglichkeit haben die Frauen nicht die Möglichkeit, an den üblichen Integrationskursen teilzunehmen, da die Kurszeiten mit der Verantwortung für ihre Kinder kollidieren.

Ein Modell zur Vereinbarkeit von Spracherwerb und Familie ist hier gefragt, denn die Frauen wollen Deutsch lernen. Daher hat Andrea May, Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte der Stadt Trier gemeinsam mit der CEB Akademie Trier als Integrationskursträger, dem Jobcenter Trier Stadt und dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) ein Bildungsangebot entwickelt, das sich mit dem Alltag der Frauen vereinbaren lässt.

Zeitlich orientiert sich der im Januar 2019 gestartete Integrationskurs nun an den Öffnungszeiten der Kitas und Schulen. Doch nicht alle Kinder haben dort bisher einen Platz. Daher hat das DRK mit der Tagespflege „kids care“ eine Kinderbetreuung vor Ort eingerichtet. Derzeit werden hier zehn Kinder unter vier Jahren betreut und auf den Besuch der Kita vorbereitet – in direkter Nähe zu ihren Müttern. Die Unterrichtszeiten sind montags bis freitags von 8.45 bis 11.15 Uhr, in den rheinland-pfälzischen Schulferien ist auch für die Frauen unterrichtsfrei. Je nach Bedarf können neben dem regulären Sprachunterricht auch andere Themen aufgegriffen werden, die das Familienleben in Deutschland betreffen. So unterstützt die Ökumenische Beratungsstelle Trier die Frauen und Kinder beispielsweise durch ein psychologisches Beratungsangebot bei Bedarf. Der Kurs endet nach etwa neun Monaten mit dem „Deutsch-Test für Zuwanderer (Zielniveau B1)“ und dem Test „Leben in Deutschland“. Der voll ausgebuchte Kurs wird von den Frauen gut angenommen; kaum fehlt jemand und alle sind früh am Morgen da, um nichts zu verpassen. Das Projektteam ist sich einig: Das sind sechzehn Frauen, die ihre Kinder in Zukunft besser unterstützen können. Beim Besuch im Kindergarten, in der Schule, beim Lesen und Schreiben lernen, in Fragen der Gesundheit, im Kontakt mit anderen Kindern. Und es sind sechzehn Frauen, die ihre Bildungsbiographie wieder selbstbestimmt in die Hand nehmen. Das Projekt wird auch von der Frauenbeauftragten der Stadt Trier, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und der Evangelischen Kirchengemeinde unterstützt. „Eine knifflige Koordinationsaufgabe war es ganz sicher und ohne diese Akteure wäre das Projekt so gar nicht zustande gekommen!“ so May.

Fragen rund um den Kurs gibt es bei der CEB Akademie Trier, Fon (0651) 1460610, Mail trier@ceb-akademie.de.