CEB Akademie, Beschäftigungsförderungs-Agentur Kosovo und lokale Pflegeeinrichtungen schließen sich zu einem Ausbildungsverbund zusammen

TRIER In der Pflege führt der Mangel an Fachkräften seit Jahren dazu, dass Stellen in den Einrichtungen nicht besetzt werden können. Im Jahresdurchschnitt 2018 waren deutschlandweit 23900 Stellen in der Altenpflege unbesetzt, 15700 Stellen in der Krankenpflege. Gleichzeitig werden die Menschen älter, immer mehr von ihnen benötigen Pflege. Gemeinsam mit der Beschäftigungsförderungs-Agentur Kosovo, kurz APPK, organisiert die CEB Akademie in Trier und Hilbringen einen Ausbildungsverbund, der dem Pflegenotstand mit Auszubildenden und Fachkräften aus dem Kosovo entgegenwirken will. Dabei arbeiten sie eng mit Ausbildungsbetrieben, Pflegeeinrichtungen und anderen Partnern im Raum Trier, Merzig-Wadern und Saarlouis zusammen.

Die CEB Akademie ist erfahren in der Pflegeausbildung. Sie unterhält eine eigene staatlich anerkannte Altenpflegeschule in Trier, die sowohl die einjährige Ausbildung zum Altenpflegehelfer als auch die dreijährige Ausbildung zum staatlich geprüften Altenpfleger durchführt. Am Standort Hilbringen befindet sich zudem das Altenpflege-Qualifikations-Zentrum (AQZ), das die CEB in Kooperation mit der Caritas-Akademie für Gesundheitsberufe Saar betreibt. Aktuell bereiten sich die Schulen auf die generalistische Pflegeausbildung vor, die ab 2020 die bisherigen Ausbildungen für Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege vereint. Mit dem Kosovo-Projekt will die CEB einerseits neue Fachkräfte gewinnen und gleichzeitig die Schulstandorte stärken, sagt Theo Dubois, Bereichsleiter Bildung der CEB. Das Projekt ermögliche es den Pflegeeinrichtungen, Fachkräfte standortnah selbst auszubilden, um den steigenden Bedarf zu decken. In dem Pilotprojekt sollen mindestens 20 Auszubildende für die dreijährige Ausbildung als Pflegefachkraft zu Beginn des Ausbildungsjahres 2020 gewonnen werden. „Über die Einrichtungen haben wir bereits jetzt 30 Plätze angefragt, 18 in Merzig und 12 in Trier“, sagt Dubois.

Warum gerade Auszubildende und Fachkräfte aus dem Kosovo? In der Republik im Südosten Europas liegt das Durchschnittsalter unter 25 Jahren. Gleichzeitig liegt die Arbeitslosenquote junger Menschen bei über 60 Prozent. Viele junge Menschen sind bereit, ihre Heimat für eine Arbeit im Ausland zu verlassen. Die Beschäftigungsförderungs-Agentur Kosovo (APPK) ist eine gemeinnützige Einrichtung, die unter anderem mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), der Nato und der Diakonie zusammenarbeitet.

Derzeit sucht die APPK im Kosovo nach geeigneten Bewerbern. Sie müssen die „Medizinische Schule“ beendet haben, deren Abschluss in Deutschland als mittlerer Bildungsabschluss anerkannt wird – eine Grundvoraussetzung für den Einstieg in die generalistische Pflegeausbildung. Bei einer Infoveranstaltung erfahren sie Wesentliches über das Leben und Ausbildungssystem in Deutschland und können sich gezielt auf die Stellen bewerben. Gemeinsam mit den Arbeitsgebern in Deutschland werden die Kandidaten ausgewählt und belegen einen Deutschkurs, den sie auf dem Niveau B1 abschließen. Im Sommer 2020 hospitieren die Kosovarinnen und Kosovaren in ihren Einrichtungen in Deutschland. Die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft startet dann im August in Trier, im Oktober in Merzig.

„Der Umzug von der alten Heimat im Kosovo nach Deutschland mit gleichzeitigem Ausbildungsbeginn wird die jungen Menschen vor einige Herausforderungen stellen“, sagt CEB-Geschäftsführer Gisbert Eisenbarth. Daher werden sie hier vor Ort sowohl durch die CEB als auch durch die Einrichtungen begleitet. In ihren Ausbildungsbetrieben steht den Kosovarinnen und Kosovaren eine feste Ansprechperson zur Seite, die sie unterstützt. Begleitend zur Ausbildung bietet die CEB eine sozialpädagogische Betreuung an, um die Auszubildenden in ihrem neuen Lebensabschnitt zu stabilisieren, Orientierungshilfen in Deutschland zu geben und bei allgemeinen Fragen zu helfen, erklärt Eisenbarth. Je nach Bedarf können die Auszubildenden ihr fachliches Wissen im Stützunterricht bei der CEB vertiefen. „Unser Ziel ist es, den jungen Menschen neben der Arbeit eine fixe Anlaufstelle zu bieten, wo sie sich mit ihren Mit-Auszubildenden aus dem Kosovo austauschen können“, so Eisenbarth.

Darüber hinaus müssen die künftigen Pflegefachkräfte bis zum Ende ihrer Ausbildung das Sprachlevel B2 nachweisen. Den entsprechenden Sprachkurs führen sie ebenfalls bei der CEB, ein durch das BAMF zugelassener Integrationskursträger, durch. Die Einrichtungen müssen lediglich sicherstellen, dass ihre Auszubildenden den Sprachunterricht besuchen können.

Der Ausbildungsverbund profitiert demnach von den Erfahrungen aller Partner: die CEB Akademie ist seit Jahren im Pflegesektor sowie in der Sprachausbildung und Berufsintegration ausländischer Mitbürger tätig, die APPK kennt sich in der Beschäftigungsförderung im Kosovo aus. Die Pflegeeinrichtungen können ihrerseits ihre praktischen Erfahrungen an die jungen Kosovarinnen und Kosovaren weitergeben und ihre künftigen Fachkräfte selbst vor Ort ausbilden.